1)  Schuch (1993), S. 61.
2) Methodisch analysiert White vor allem auch das Fouqué-Bild, das in Arno Schmidts literarischen Arbeiten zum Ausdruck kommt, um so die Bedeutung Fouqués für dessen literarisches Schaffen zu verdeutlichen. Allerdings bleibt er dabei in ersten einzelnen Beobachtungen stecken.
Der Bewahrung von Literatur kommt nach White sogar eine politische Dimension in der deutschen Nachkriegsgesellschaft zu: „remembering writers is a form of resistance to a society that irrationally refuses to learn from its documented past." (White (1986), S. 91).
3) White (1986), S. 102.
4) Martynkewicz (1989), S. 215, betont, „daß Fouqué ... ohne Rücksicht auf ein Publikum und unangetastet von den wechselnden Zeitläufen, immer weiter schreibt. Das macht ihn zum Anachronisten! Und genau diese Haltung ist es, die Schmidts ungeteilte Anerkennung findet. Anders gesagt: alleine die Tatsache, daß Fouqué im Alter, als Herrscher und Gefangener einer imaginären Welt, unbeachtet von jeglicher Anerkennung einfach seine Arbeit fortsetzt, nötigt Schmidt Respekt und Bewunderung ab, dadurch wird er zum Vorbild.“
5) Schuch (1993), S. 39: „Schmidt hangelt sich entlang dieser Pfähle durchs Leben auf der Suche nach Identität.“ Dies geht an manchen Stellen in eine Wortmystik über, so dass Schmidt ein in Bargfeld zugekauftes Grundstück mit dem Begriff „Schauerfeld“ bezeichnet, der auf Lebenserfahrungen Fouqués verweist.
6) Schuch (1993), S. 47-55.
7) Martynkewicz (1989), S. 206. Martynkewicz verweist auch auf einen deutlichen Wandel des Blicks Schmidts auf Fouqué. Danach habe sich das ursprünglich vertrauensvolle Verhältnis, das sich der Wahrheit von Daten und Fakten verschworen habe, durch Schmidts Beschäftigung mit der Psychoanalyse zu einem „entfesselten“ Blick verwandelt, „der jeden Glauben daran verloren hat, daß mit induktiver Akribie, aus Urkunden und Briefen, aus Daten und Fakten, ein Leben zu verstehen wäre, indem man es wie ein Puzzle zusammensetzt.“ (Martynkewicz (1989), S. 205-206).
8) Der Fokussierungsvorgang ziehe folgenden Effekt nach sich: „Geht man ganz nah an die Dinge heran, wie es Schmidt tut, dann gewinnen sie aus sich selbst heraus einen eigentümlichen Reiz, sie erscheinen in ihrer Einzelheit als ästhetisiertes Artefakt, das selbst da, wo es eigentlich Erschrecken erregen müßte, zur Sanftheit verleitet“ (Martynkewicz (1989), S. 208). Durch die Trennung von Dichter und Adeligem blende Schmidt gerade das aus, „was den Entwurf Fouqués in allen Einzelheiten bestimmt hat, nämlich dieser Zusammenhang, dieses Austauschverhältnis von Degen und Feder.“ (Martynkewicz (1989), S. 211) Siehe dazu unten auch Postma!
9) Schuch (1993), S. 40; S. 55.
10) Schuch (1993), S. 59.
11) Martynkewicz (1989), S. 217; 221. Die äußere existentielle Gefährung wandele sich dann in den 60-er Jahren in eine innere (Furcht vor dem Alter, vor vorzeitigem körperlichen Verfall und Tod).
12) Schuch (1993), S. 54, weist darauf hin, dass Schmidt diesen Prozess für sich selbst und sein eigenes Schreiben in gleicher Weise vollzog: "Die Welt existiert für Schmidt im Laufe der Jahre zunehmend nur in Büchern und im Fernsehen, eine Realitätsferne und Erlebnisarmut, die sich negativ auf die Handlungsstränge seiner Bücher auswirkt und die reine Sprache dominant in den Vordergrund treten lässt."
13) White (1986), S. 89.
14) White (1986), S. 94.
15) Martynkewicz (1989), S. 223
16) Postma (1982), S. 135. Methodisch kontrastiert Postma die Fouqué-Biographie Schmidts mit dem Fouqué, wie er selbst ihn anhand von dessen Werk sieht.
17) Postma (1982), S. 141: "Der Autor bringt ein großes (...) Gesamtwerk hervor, und der Baron verharrt als unvernünftiger, leichtgläubiger Naiver, der die neue politische Tendenz seiner Zeit nicht wahrnimmt, nicht durchschauen will." Und Weiter unten formuliert Postma (S. 146): "Deshalb wird auch die wesentliche Frage nicht diskutiert, weshalb Fouqué in einer Situation äußerster Gefährdung der europäischen Aristokratie gerade auf Elemente höfischer Dichtung zurückgreift, die ja einmal - und auch dieser Gedanke fehlt bei Schmidt - gültiger kultureller Ausdruck ihrer Gesellschaft war." Auch werde bei Schmidt nicht die "elementare Adaption von Denk- und Gestaltungsstrukturen höfischer Literatur thematisch" (S. 149), wie sie etwa in der Fouquéschen Aventiurenwelt zum Ausdruck kommt.

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© Stephan Reuthner, Pappenheim 1999

Mittwoch, 28.07.1999